20.07.10 Topthema:Bundesministerin
Schröder hat Gleichstellungspolitik nicht begriffen
Anlässlich der aktuellen Äußerung
von Ministerin Schröder zur Gleichstellungspolitik erklären die Sprecherin der
Arbeitsgruppe Gleichstellungspolitik Christel Humme und die frauenpolitische
Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion Caren Marks:
Die
Äußerungen von Bundesministerin Schröder, sich von der klassischen
Gleichstellungspolitik abwenden zu wollen, sind skandalös. Sie sind ein Zeichen
dafür, dass Frau Schröder nicht verstanden hat, worum es in der
Gleichstellungspolitik geht.
Artikel 3
des Grundgesetzes lautet: "Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der
Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen
und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin."
Gleichstellungspolitik bedeutet nicht Politik gegen Männer, sondern Politik für
Männer und Frauen. Es ist richtig, dass Jungen in der Schule und bei den
berufsbildenden Abschlüssen von den Mädchen und Frauen überholt wurden und
werden. Dennoch schaffen junge Männer viel leichter den Berufseinstieg. Sie
verdienen dann bis zu 23 Prozent mehr als ihre Kolleginnen und sind in
Führungsetagen fast komplett unter sich. Trotz offensichtlich besserer
Bildungsabschlüsse sind Frauen in ihrem späteren Berufsleben gegenüber Männern
benachteiligt. Das ist die gesellschaftliche Realität. Hier muss konkrete
Gleichstellungspolitik ansetzen.
Dafür müssen
insbesondere Jungen und Mädchen aus bildungsfernen Schichten gleichermaßen
gefördert werden, mehr Männer in typischen Frauenberufen (Erzieher, Lehrer,
Pflegekräfte, Arzthelfer) und Frauen in typischen Männerberufen ausgebildet
werden. Für eine gelingende Gleichstellungspolitik brauchen wir gesetzliche
Regelungen zur Entgeltgleichheit und zur Quote für Frauen in
Führungspositionen.
Denn mehr
Frauen in Führungspositionen werden bewirken, dass sich eine frauen- und
familienfreundliche Unternehmenskultur entwickeln wird, die heute noch geprägt
ist von zu langen Arbeitszeiten und mangelnder Vereinbarkeit von Familie und
Beruf.
Gleichstellungspolitik
wird dazu beitragen, dass Männer und Frauen, Jungen und Mädchen
gleichberechtigt leben können. Leider hat Frau Schröder dies nicht verstanden.
Damit liefert sie einen weiteren Beleg dafür, dass sie als Ministerin für
Familie, Senioren, Frauen und Jugend eine Fehlbesetzung ist.


